Notfallstation

27.09.2002 // Ruhige Nacht

Es ist fast nicht zu glauben, dass es in einer Stadt – wie Kap Stadt – so ruhig zu und her gehen kann, aber es ist tatsächlich möglich. Gerade mal drei Einsätze hatten wir in unserer Nachtschicht. Einer davon wurden wir nicht einmal gebraucht, da die Crew der Ambulanz mit dem Asthmaanfall bestens alleine zurecht kam.

Schiesserei zwischen zwei Gangs

Der erste Einsatz war eine Schiesserei zwischen zwei Gangs (Banden). Wir erfuhren bei der Hinfahrt, dass da immer noch was im Gange sei und wir vorsichtig sein sollen. Der Einsatz war in so einer kleineren Überbauung von Blöcken. Alles sehr dunkel und natürlich wieder eine Masse von Menschen (schluck!). Die Crew der Ambulanz kam gerade eine Minute vor uns an und weil es hiess, es seien zwei Verletzte haben wir uns aufgeteilt um vor allem auch nachzusehen, ob wir beide im gleichen Fahrzeug mitnehmen könnten. Wenn es je einer aus den beteiligten Banden war, würde dies nicht gut kommen. Der eine von der Ambulanz-Crew meinte nur „komm machen wir vorwärts das wir schnell weg kommen von hier“. Ups, dachte ich, was meinte er wohl damit…

Unser Patient war ca. 20-25 Jahre alt, lag auf dem Boden einer Wohnung, die gestossen voll war mit Leuten. Wir mussten uns erst einmal richtig Platz verschaffen. Er hatte eine Schusswunde am rechten Oberschenkel – es war ein glatter Durchschuss. Abgesehen davon, dass es blutete, war nichts gebrochen, er hatte noch einen Fusspuls und konnte das Bein bewegen. Also legten wir eine Infusion und gaben ihm 100mg Tramal (Schmerzmedi) i.v. Kaum waren wir fertig, kamen auch schon unsere Kollegen, so konnten wir uns dem anderen Patienten der schon in der Ambulanz war annehmen. Dieser hatte bereits zwei Infusionen, war ansprechbar und soweit stabil. Der Bodycheck ergab einen Durchschuss im linken Oberschenkel, bei der die Kugel im rechten Oberschenkel dann stecken blieb. Ebenso einen Durchschuss am rechten Handgelenk. Das rechte Bein war gebrochen und nach innen verdreht, die Kugel musste den Oberschenkelknochen (Femur) getroffen haben. Auch ihm gaben wir 100mg Tramal, wobei unsere Vorräte an Schmerzmedikamenten somit aufgebraucht waren!!!

Unsere Kollegen kamen zügig mit dem zweiten Patienten zurück und so fuhren wir auch gleich los. Etwas ausserhalb stoppten wir und schienten und stabilisierten das gebrochene Bein. Wir konnten zwei „gelbe“ Patienten dem Krankenhaus abgeben und uns wieder einsatzbereit melden.

Beim dritten Einsatz war die Patientin schon verstorben. Sie hatte eine Herzerkrankung und die Angehörigen hatten eine Vorahnung.