Mitten in der Nacht muss retabliert werden

05.10.2002 // Schiesserei mit Erfahrungen von Schussverletzungen

Erneute Nachtschicht war heute geplant. Samstagnacht, angeblich immer sehr viel los. Nach den ruhigen Tagen die wir hatten, glaubte ich nicht so richtig daran.

Unsere erste Meldung, die wir erhielten: Frau kollabiert, wahrscheinlich Tod!! Als wir eintrafen, sass die angeblich tote Frau auf dem Sofa und ihr ging es recht gut!! Sie war bekannte Diabetikerin, hatte Hypertonie und nahm diverse Medikamente. Sie verzichtete auf die Einweisung ins Krankenhaus.

Der nächste Fall war ein Verkehrsunfall mit einer Fussgängerin. Die Patientin war dermassen betrunken, dass sie uns nicht einmal richtig sagen konnte, ob sie Schmerzen hatte oder nicht. Nach genauen Untersuchungen stellten wir fest, dass ihr nichts fehlte und wir sie gehen lassen konnten.

Schiesserei mit einem Totem

Nach einer längeren Pause erreichte uns die Meldung: Schiesserei, zwei Patienten, Polizei schon vor Ort. Beim Eintreffen war die Sanität der Feuerwehr schon am arbeiten. Der AEA hatte erfolglos versucht eine Infusion zu legen und meldete uns, dass der Patient ansprechbar sei und soweit stabil. Ich untersuchte den Patienten und fand eine Einschusswunde im rechten Oberbauch, keine Austrittswunde. Ich machte mich an das legen einer Infusion da nicht klar war, ob der Patient innere Blutungen hatte. Michael klärte ab, was mit dem zweiten Patienten war und erfuhr, dass dieser Tod sei. Mir gelang es in der Zwischenzeit, der Patient war jetzt im Fahrzeug der Feuerwehr, zwei grosslumige Zugänge zu legen. So konnten wir den Patienten in einem stabilen Zustand dem Ambulanzteam übergeben.

Uns blieb jetzt nur noch den zweiten „toten Patienten“ zu untersuchen und die nötigen Formalitäten zu erledigen. Die Todeserklärung: es schien uns, dass dieser regelrecht „hingerichtet“ wurde, die Legealinspektion zeigte eine Eintrittwunde unter dem linken Auge und eine Austrittswunde am Hinterkopf.

Interessante Erfahrungen mit Schussverletzungen

Der zweite und letzte Einsatz in dieser Nacht war eine erneute Schiesserei, angeblich drei Patienten bei der Polizeistation. Bei der Hinfahren zur Station kam uns ein Streifenwagen entgegen und teilte uns mit, dass um die Ecke der dritte Patient mit einer Schusswunde am Kopf sei. Wir mussten uns entscheiden, die Patienten in der Station, die angeblich auch nicht gut aussahen (einer hatte eine Schusswunde am Hals), oder der mit der Kopfwunde. Da wir bereits bei der Polizeistation waren, konnten wir nicht gut einfach wieder abfahren. Wir fanden einen Patienten mit einer Oberschenkel-Schusswunde und Schockzeichen, der zweite mit der Wunde am Hals vor.

Wertvolle Erfahrung

Ich untersuchte gleich den Patienten mit der Halswunde, er war gut ansprechbar, sass auf der Bank und hielt sich ein Frottétuch an den Hals. Kräftiger Radialispuls, T-Shirt war blutdurchtränkt. Ich hatte ihn zuwenig genau untersucht. Später stellte sich heraus, dass die Wunde – die ich als Einschusswunde angenommen hatte – tatsächlich die Austrittswunde war und er hinten an der Schulter (höhe Schulterblatt) die Eintrittsstelle hatte. Nun ja, es hätte nichts am Vorgehen geändert, so habe ich ihm einen grosslumigen Zugang gelegt und anschliessend Michael geholfen einen zweiten Zugang am anderen Patienten zu legen, da dieser nicht gerade einen stabilen Eindruck machte. Die Kollegen der Ambulanz konnten uns weiter behilflich sein. Beide Patienten – dem Schockpatienten ging es etwas besser – konnten wir im stabilen Zustand übergeben.

Weiterer Patient bereits versorgt

Über Funk wurde uns mitgeteilt, dass eine zweite Ambulanz inzwischen beim dritten Patienten angekommen sei. Wir wollten bereits hinfahren, als wir erfuhren, dass ein zweiter Paramedic schon vor Ort ist und die Sache unter Kontrolle sei. Dieser Patient, so stellten wir fest in der Notfallstation, hatte Wunden am Kopf, verursacht durch ein Messer. Da er zu alledem auch noch betrunken war, konnte nicht klar festgestellt werden, ob seine Unruhe durch den Alkohol oder die Kopfverletzungen verursacht wurde.

So ging eine doch recht ereignisreiche Nacht zu Ende, die mir zeigte, auch bei Schusswunden einen guten Bodycheck durchzuführen.

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