Auto in Kandelaber von der Seite

19.09.2002 // Unschöne Aufgaben

Wer in der Nacht arbeitet, weiss dass es nicht so einfach ist am Tag zu schlafen, besonders wenn es nach der ersten Nacht ist. Nun trotzdem habe ich einige Stunden Schlaf bekommen und mich am Nachmittag ans updaten der Website gemacht.

Es war ein schöner Tag und um 18:30 Uhr trat ich meine Nachtschicht an. Ich habe heute Michel einig Bilder von unserem Rettungsdienst gezeigt, er war beeindruckt, vor allem wie alles in den Rettungswagen (RTW) aufgeräumt und so sauber ist.

Auch unschöne Aufgaben gibt es

Wir leisteten heute nicht Dienst vom Stützpunkt aus, sondern waren in einem anderen Gebiet eingeteilt. Für den ersten Einsatz wurden wir von der Polizei aufgeboten: eine Leiche musste für Tot erklärt werden. Was mich erstaunte war, dass dies hier ein Paramedic ausführt – dies wäre bei uns undenkbar. Also machten wir uns auf den Weg, eine genaue Adresse gab es nicht, gerade mal welcher Stadtteil und Strasse, das war alles. Beim Hinfahren in diese Gegend war mir bald klar, dass es in eine sehr arme Region der Stadt ging, etwas komisch war mir schon zu Mute. Es ist nicht eine Gegend die ich freiwillig besuchen würde und dann auch noch in der Nacht. Wir mussten uns durchfragen und es wurde uns freundlich weitergeholfen.

Plötzlich kam jemand auf die Strasse gerannt und hielt uns an. Es hätte jemand aus seiner Familie Penicillin genommen und nun jucke es überall. Da unser ursprünglicher Auftrag nicht eilte sahen wir uns dies mal an. Ehrlich gesagt, benötigte es das erste mal schon etwas Überwindung auszusteigen und in eine solche einfache und stockdunkle Hütte einzutreten. Man spürte aber gleich, wir sind gerne gesehen, denn wir bringen Hilfe und Unterstützung. Da es dieser jungen Frau verhältnismässig gut ging (Juckreiz und Ausschlag) und sie ein Fahrzeug um in ein Krankenhaus zu fahren hatten, machten wir uns bald wieder auf den Weg.

Unsere Adresse war bald gefunden und der wartende Polizist kam uns entgegen. Wieder eine dunkle Hütte, die ganze Familie war anwesend, auffällige Gerüche – aber nichts anmerken lassen und durch… Die Leiche lag auf dem Bett. Es war anzunehmen, dass es ein natürlicher Tod war, sie war 83 und nach dem ein EKG gemacht, Puls und Pupillen überprüft waren, konnten die Formalitäten erledigt werden. In dieser Nacht erklärten wir auf einem Polizeiposten zwei weitere Leichen als Tod, beides Suizid durch erhängen.

Verkehrsunfall mitten in der Nacht

Nachdem wir diese Gegend verlassen konnten ging eine Meldung eines Verkehrsunfalles ein. Person eingeklemmt, ansprechbar. Nun hiess es Sirene an und durch die ganze Stadt auf die andere Seite flitzen. Bei unserem eintreffen hatten die Leute von der Rettungseinheit und die zuerst anwesende Ambulanz den Patienten geborgen und erstversorgt. Vor lauter Menschen konnte ich im ersten Moment nicht mal das Unfallfahrzeug sehen. Der Patient war soweit stabil, hatte eine offene Unterschenkel Fraktur und wurde vorsorglich mit einem Halskragen auf dem Rettungsbrett fixiert. Zur Schmerztherapie wurde, nach Absprache per Funk mit einem Arzt, 100 mg Tramal verabreicht.

Behandlung des Patienten

Im weiteren Verlauf der Nacht gab es noch eine Verlegung einer Patientin mit Vorhofflimmern, stabil, hatte laut Krankengeschichte schon eine Kardioversion und eine bekannte KHK.

Es war eine lange Nacht und wir verbrachten einige Zeit an Tankstellen die 24 Stunden geöffnet waren.

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